[Island] Wie der Goðafoss zu seinem Namen kam


Der Goðafoss, der Götterwasserfall, befindet sich im Norden von Island und stürzt sich in tosenden Wassermassen über eine breite hufeisenförmige Abbruchkante in die Tiefe. Trotz seiner bescheidenen Fallhöhe von ca. 15 m ist er ein wahrlich göttlicher Wasserfall. Dennoch hat er seinen Namen nicht seiner Schönheit zu verdanken, sondern hängt mit einer der zahlreichen isländischen Sagas zusammen.

Im Jahre 1000 n. Chr. sorgte der damalige Gode Þorgeir, der Gesetzessprecher des Landes, für die Annahme des Christentums als offizielle Religion. Vermutlich handelte er aus politischen Gründen, denn der norwegische König hatte ihnen mit einem Holzembargo gedroht, sollte sich das Volk nicht zum Christentum bekehren. Das konnten sie nicht riskieren, da sie das Holz für den für sie lebenswichtigen Schiffsbau benötigten. Auch drohte sich das Volk aufgrund der Glaubensfrage zu spalten. Das konnte Þorgeir durch seine kluge Entscheidung verhindern.

Tatsächlich hatte er mit den Anhängern des alten heidnischen Glaubens und denen des christlichen Glaubens einen Kompromiss geschlossen. Die offizielle Religion sei zukünftig das Christentum und alle Isländer mussten getauft werden. Es war aber weiterhin erlaubt, die heidnischen Götter im Geheimen zu huldigen und heidnischen Regelungen zu folgen. Unter anderem durfte weiterhin Pferdefleisch gegessen und Neugeborene ausgesetzt werden.

Um zu beweisen, wie ernst es ihm mit der Annahme des Christentums sei und um mit leuchtendem Beispiel voranzugehen, nahm Þorgeir seine heidnischen Götterstatuen und versenkte sie in einem mächtigen Wasserfall, der nahe seinem Hof gelegen war. So kam der Goðafoss zu seinem Namen: dem Götterwasserfall.

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